Wahl in den Vorstand des Kulturforums der Sozialdemokratie in München e.V.

Am 02. März 2020 fand im Künstlerhaus München die Mitgliederversammlung des Kulturforum der Sozialdemokratie in München e.V. statt. Das Kulturforum ist ein unabhängiger Verein, der trotz Überalterung immer noch einer der größten und aktivsten Kulturvereine des Landes ist.

Hof und Eingang zum Münchner Künstlerhaus am Lenbachplatz.

Der langjährige Münchner (Ex-)OB Christian Ude ist seit über 30Jahren Vorsitzender des Vereins. Zur Begrüßung sprach Christian Ude über die Herausforderung der Sozialdemokratie, aber auch des Kulturforums, das vor der Wahl steht sich neu zu erfinden oder unterzugehen.

Begrüßung der Mitgliederversammlung durch Christian Ude.

Die Mitglieder sind mit dem Verein gealtert und das einstmals nicht nur netzwerk-technisch und sozial, sondern auch betriebswirtschaftlich erfolgreiche Modell “Kulturverein” funktioniert unter veränderten medialen und gesellschaftlichen Bedingungen nicht mehr so richtig/(anders?). Auch gelingt es dem Verein nicht (mehr) kulturpolitische Themen zu setzen, geschweige denn politische Erfolge zu feiern. Die kulturpolitischen Debatten der letzten Zeit an denen ich mich z.B. beteiligt habe (Münchner Kammerspiele, Haus der Kunst), aber auch vieles mehr wurde in letzter Zeit verschlafen. Darüber ist es schwierig neue Zielgruppen anzusprechen/zu erreichen.

Ich war von der Deutlichkeit positiv überrascht, mit der die eigene Situation aufgearbeitet wird. Es gibt ein externes Kuratorium, das zur Mitgliederversammlung ein Memorandum zur Diskussion gestellt hat. Der Text hatte es in sich, da die Rahmenbedingungen des Kulturforums schonungslos analysiert wurden. Gleichzeitig schreibt das Kuratorium aber auch, dass das Kulturforum das Potential besitzt, eine Plattform für wichtige politische und gesellschaftliche Debatten mit einem lokalen Bezug zu bieten, relevante Akteure ins Gespräch zu bringen und (was mir sehr wichtig ist) zu einzelnen Fragen der Kulturpolitik prägnante Positionen zu formulieren. Ich habe die letzte Zeit ja die Kulturpolitik der Sozialdemokratie kritisch-solidarisch begleitet& teilweise auch überparteilich, z.B. mit der engagierten Grünen Landtagsabgeordneten Sanne Kurz zusammen gearbeitet.

Diesen Weg möchte ich fortsetzen, da ich der Meinung des Kuratoriums in diesem Punkt vollkommen zustimme. In diesem Kontext habe ich ja auch zuletzt aus einem Uniseminar zur “Institutionellen Ästhetik” heraus versucht, einen Impuls für eine agile, reflexive und partizipative Kulturpolitik zu setzen. Diese Erfahrungen mit dem Cultural Policy Lab möchte ich in Zukunft gerne weiterentwickeln und zur Diskussion stellen.

Ich finde es spannend herauszufinden, was bei der Konfrontation meines internationalen, progressiven und im Rahmen meiner Möglichkeiten akademisch fundierten Einsatz für die Kulturpolitik mit der Geschichte und Struktur eines Vereins wie dem Kulturforum passiert.

Deswegen habe ich an der Mitgliederversammlung sehr gerne teilgenommen. Ich wurde auch als Beisitzer in den Vorstand des Vereins gewählt. Ich möchte mich in Zukunft für eine stärkere Policy-Orientierung des Vereins sowie den Versuch einsetzen, die erfolgreichen Konzepte Kulturforum und Kultur für Alle in die Zukunft zu führen.

Der neue Vorstand. Von links: Elisabeth Schattenhofer, Haimo Liebich, Christine Prunkl, Christian Ude, Carola Ludwig, Renate Kürzdörfer, Karin Stanslowski, Lars Mentrup, Uwe Moser, Christian Steinau. Nicht im Bild: Dr. Michael Stephan.

Dabei denke ich, dass es nicht nur darum geht, “presse-technische” perfekte PMs zu verschicken oder eine Veranstaltung in pseudohippen Bars zu organisieren. Ich habe richtig Lust was zu riskieren und an einer neuen Erzählung sozialdemokratischer Kulturpolitik zu arbeiten. Im Sinne der Pfadabhängigkeit möchte ich weiter daran arbeiten, den Diskurs um Kultur für Alle von Hilmar Hoffmann und Hermann Glaser bis Nida-Rümelin aufzuarbeiten. Das Kulturforum hat ein Archiv und fantastische Quellen, die in ein paar Jahren hoffentlich veröffentlicht sind.

Gleichzeitig möchte ich überparteilich, auf Grundlage aktueller Forschung und Debatten und dazu noch partizipativ und mit so vielen tollen Leuten wie möglich an praktischen Fragen der bestmöglichen kulturellen Entwicklungen in München und Europa arbeiten. Dabei ist es mir wichtig, auf Veranstaltungen Spaß zu haben, neue Formate auszuprobieren und über neue Möglichkeiten nachzudenken, das Kulturforum in der Stadt, aber auch darüber hinaus als Hotspot für kultur(politische) Themen zu positionieren. Es ist auch wichtig, die Finanzsituation des Vereins, die immer noch sehr solide ist, für die Zukunft abzusichern. Ich würde mich sehr freuen, mit möglichst vielen Menschen ins Gespräch zu kommen und Ideen auszutauschen.

Der digitalpolitische Verein D64 — Zentrum für digitalen Fortschritt zeigt meiner Meinung nach eindrücklich, dass die Vereinsstruktur auch im Jahr 2020 funktioniert und keineswegs ein Auslaufmodell ist. Ich denke, die Anziehungskraft einer Organisation hängt von ihrem “Purpose” sowie ihrem Angebot zur Identifikation ab. Deswegen sehe ich es als die wahrscheinlich größte Herausforderung des Kulturforums, das mit der Sozialdemokratie verbundene Fortschrittsversprechen kompromisslos, optimistisch und zukunftsweisend auf den Kulturbereich anzuwenden. Die Themenpalette dieser Aufgabe ist riesig, es geht z.B. um ein neues Verständnis von Stadtteil- und Soziokultur, eine gigantische Investitionsoffensive in die Stadtbibliotheken zu modernen Coworking Spaces und urbanen Wohnzimmern (“Palaces of the People”), die Repräsention der vielfältigen Stadtgesellschaft, um tatsächliche inklusive und diverse Einrichtungen und die Frage, wie die Freiheit der Kunst vor politischen Eingriffen und populistischen Angriffen geschützt werden können. Aber wie gesagt, die Themen sind riesig, unzählig und mir ist es wichtig, dass wir uns auf den Weg machen, keine Angst vor Fehlern haben und gleichzeitig reflexive wie partizipative Strukturen schaffen, in denen aktuellen Herausforderung optimistisch begegnet werden kann.

Sehr gerne möchte ich mich bei Christine Prunkl bedanken, ohne deren Initiative und Gastfreundschaft ich den Weg zum Kulturforum nicht gefunden hätte. Anbei eine herzliche Einladung, mich und alle anderen tollen (Vorstands-)Mitglieder des Vereins auf unserer Reise in die Zukunft zu begleiten!

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