Promotionsprojekt: Poetische Strategien der Kunstkritik seit den 1990er Jahren

Meine Doktorarbeit ist in dem mir möglichen Rahmen als Beitrag zu einer problemgeschichtlichen Untersuchung gedacht, die die Kunstkritik als literarische Gattung in seinen Wandlungen darzustellen versucht.

Vorstellung des Kapitels “Jenseits der Krise?” auf dem Doktorandenkolloquium des Internationalen Doktorandenkolloquiums MIMESIS für Literatur- und Kunstwissenschaften der LMU München im November 2019.

Kunstkritik als Gegenstand bewegt sich zwischen den Disziplinen, was sie zu einem Grenzfall wissenschaftlicher Untersuchungen macht. Ihre historische, systematische und ästhetische Problematik vollends aufzuzeigen und nachzuvollziehen, setzt Kenntnisse der Philosophie, der Kunstgeschichte, der Literaturwissenschaft und letztlich, vor dem Hintergrund unserer Lebenswelt zu Beginn des 21. Jahrhunderts, Kenntnisse der Ästhetik der Kunst der Gegenwart sowie der Kunstsoziologie voraus. All das macht das Studium der Kunstkritik zu einem spannenden, aber auch herausfordernden und an der Schnittstelle zwischen den Künsten gelegenen komparatistischen Untersuchungsgegenstand.

Innerhalb der langen Geschichte der Kunstkritik liegt mein Fokus auf einer sehr jungen Phase, so jung, dass sie gerade vergangen scheint, sodass sich systematische Argumente und zentrale Momente erstmals identifizieren lassen und ihre Bedeutung für das hier und jetzt nicht nur behauptet, sondern analytisch dargelegt werden können.

In meinem Promotionsprojekt gehe ich von der Überlegung aus, dass sich mit der Herausbildung eines höchst kompetitiven und nach Maßstäben des Wettbewerbs organisierten Kunstfelds auch die Grundkonstanten der Kunstkritik verändert haben. Dies stellt die an dieser Entwicklung interessierten Wissenschaften vor die Herausforderung, sich den veränderten epistemologischen und ökonomischen Bedingungen des literarischen Schreibens über Kunst und Kunstwerke anzunehmen. Anders gesagt könnte man sagen, dass ich mich für den Ort und den Status der Konstruktion ästhetischer Werturteile im globalen Kunstfeld der Gegenwart interessiere.

Dabei konzentriere ich mich auf den Bereich der Bildenden Kunst und in diesem auf die jüngste Gegenwart seit ca. den 1990er Jahren. Auch wenn meine Überlegungen stark aus dem Feld der Bildenden Kunst hervorgehen und die Texte in meinem Korpus aus diesem Bereich stammen, gewinnt der Begriff der Kunstkritik gerade in der Ausweitung der Disziplingrenzen an Bedeutung. So habe ich die Hoffnung, dass das was ich in meiner Doktorarbeit aufzuzeigen versuche auch für die Bereiche der Literatur‑, Film- oder Theaterkritik gelten kann, deren Gemeinsamkeit die Kunst und deren Methode die Kritik ist.

Foto einer Präsentation meiner Recherche über das Verhältnis von Öffentlichkeit und Institutionellem Wandel am Beispiel der Münchner Kammerspiele, die in erheblichen Maß auf den Überlegungen meines Promotionsprojekts fußt.

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