Kritik an der Schließung des Kitzinger Stadtmuseum

Als neues Mitglied im SprecherInnenrat der Kulturpolitische Gesellschaft in Bayern habe ich mich mit meinem Vorstandkollegen Dieter Rossmeissl und dem KuPoGe Mitglied Christopher Vila zur Schließung des Stadtmuseums in Kitzingen geäußert.

Gespräch über die Schließung des Stadtmuseums in Kitzingen mit meinen KuPoGe Kollegen Dieter Rossmeissl und Christopher Vila.

Ein Bericht über das Engagement der KuPoGe in dieser Sache ist auch in der Süddeutschen Zeitung erschienen.

Hier ein kurzer Auszug aus dem Artikel von Hans Kratzer und Olaf Przybilla:

“Dieter Rossmeissl teilt Bayerns Museumslandschaft in drei grobe Kategorien ein. Ganz oben, sagt der Landessprecher der Kulturpolitischen Gesellschaft, stehen die großen Institutionen, das Nationalmuseum in Nürnberg etwa. Ganz unten die kleinen Häuser, manche davon “öffnen nur für zwei Stunden am Sonntagnachmittag” — und dass von jenen mitunter eines schließen müsse, liege in der Natur der Sache, sind es doch mitunter einzelne, die sich um deren Erhalt kümmern. Und dann gibt es die zweite Kategorie, Museen in mittlerer Größe, die mit wissenschaftlichem Anspruch arbeiten und zur Kulturlandschaft Substanzielles beitragen. Dass so ein Haus einfach zugesperrt wird, und — so wörtlich — “abgewickelt” werden soll, hätte sich Rossmeissl so kaum vorstellen können. Aber genau das ist nun im unterfränkischen Kitzingen passiert.

Im Mitgliederrundbrief der Bayerischen Kulturpolitischen Gesellschaft (Mitglieder-Info 104 / III 2020) schreibt Dieter Rossmeissl zu unserem Engagegement für das Stadtmuseum in Kitzingen:

“Besondere Aufmerksamkeit hat eine lokale Entscheidung hervorgerufen, die mittlerweise allerdings landesweite Kreise zieht. Mit großer Mehrheit hat der Stadtrat von Kitzingen beschlossen, dass Stadtmuseum zu schließen. Wegen dieser kulturpolitisch fatalen Entscheidung haben wir uns an den Oberbürgermeiste der Stadt gewandt, unsere Kritik ausgedrückt und gefragt, warum fast Vorentscheidungen zu diesem Beschluss nichtöffentlich erfolgt sind. Die Antwort kam schnell, war aber nicht überzeugend und signalisierte ein eher geringes kulturelles Interesse. Während der Oberbürgermeister das Thema herunterspielen wollte, griff es die Presse interessiert auf. Zunächst erschien ein Bericht in der regionalen „Mainpost“ unter der Überschrift „Kulturpolitische Gesellschaft kritisiert Beschluss“, dann brachte die Süddeutsche Zeitung einen fast dreiviertelseitigen Bericht unter dem Titel „Eine Stadt wickelt ihre Geschichte ab“, in dem ausführlich über die Position der KupoGe-Landesgruppe berichtet wurde.

Aufgrund der vielen Reaktionen, die uns danach erreichten, haben wir im Juli die lokalen und regionalen Akteure zu einer Zoom-Konferenz eingeladen. Am Ende der lebhaften Diskussion wurden wir gebeten, im Herbst eine öffentliche Besprechung zu moderieren, wie mit der Schließung weiter umgegangen und welche Formen der musealen Auseinandersetzung mit Stadtgeschichte künftig möglich sein könnten. Natürlich werden wir diesen Wunsch gern aufgreifen. Der Diskurs um Stadtmuseum und Stadtgeschichte ist wichtig, weil er Ausdruck der historisch-politischen Wirkung von Kultur ist. Wir freuen uns, dass wir helfen können, diesen Diskurs zu bewegen. Und wir freuen uns, dass die Kulturpolitische Gesellschaft damit in einem Kernbereich ihres Selbstverständnisses in so breiter Öffentlichkeit wahrgenommen wird.”

Am 17. Juli organisierte die Kulturpolitische Gesellschaft einen virtuellen Austausch mit VertreterInnen der Kitzinger Stadtgesellschaft zur Schließung des Stadtmuseums.

Die erwähnte öffentliche Zoom Besprechung fand am 17. Juli auf Einladung der KuPoGe via Zoom statt. Hier die gemeinsam von Christopher Vila und Dieter Rossmeissl verasste Einladung an die Kitzinger Stadtgestellschaft:

“Wie Sie alle, hat uns der plötzliche Beschluss das Stadtmuseum Kitzingen zu schließen unerwartet getroffen. Wie Sie wissen, haben mehrere Bürgerinnen und Bürger aus dem gesamten Landkreis Kitzingen in den letzten Tagen, ihren Unmut über die Schließung zum Ausdruck gebracht und die fehlende Transparenz der Entscheidungsfindung des Stadtrats kritisiert. Auch wir haben die Schließung, insbesondere die Art und Weise wie dieser Beschluss herbeigeführt wurde, im Rahmen eines Briefes an den Oberbürgermeister und die Presse kritisiert.

Die Kulturpolitische Gesellschaft und hier deren Landesgruppe Bayern legt großen Wert auf nicht nur den Erhalt kultureller Einrichtungen, sondern vor allem auf deren aufklärerische Funktion und ihre Wirkung in die Gesellschaft hinein. Auch das Stadtmuseum Kitzingen zählt hier zweifellos dazu, da es seine Wirkung über das eigene Haus hinaus für die Kultur der Stadt und in die Stadtgesellschaft hinein entfaltete.

Gerne möchten wir Sie vor Ort als Kulturpolitische Gesellschaft e.V. – Landesgruppe Bayern (KuPoGe — Bayern) unterstützen. In verschiedenen Vorgesprächen konnten wir bereits mit vielen von Ihnen in Kontakt treten und Gedanken zur Schließung des Stadtmuseums austauschen.”

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