Juliane Rebentisch zu Gast

Text veröffentlicht auf der Seite des Elite Netzwerk Bayerns

Das Internationale Doktorandenkolleg „MIMESIS“ organisiert regelmäßig Gastvorträge zu literarischen und künstlerischen Themen, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Am 17. Januar 2019 besuchten 150 Zuhörerinnen und Zuhörer einen Vortrag der Philosophin Juliane Rebentisch mit dem Titel „Politik und Theater nach Hannah Arendt“. Am nächsten Tag fand eine Masterclass statt, in der Doktorandinnen und Doktoranden mit Juliane Rebentisch über ihr Buch „Die Kunst der Freiheit“ (2011) ins Gespräch kamen.

Zweifelsohne zählt die Professorin für Philosophie und Ästhetik an der HfG Offenbach, Juliane Rebentisch, zu den prominentesten und produktivsten Denkerinnen der Gegenwart. 

Im Zentrum von Rebentischs überaus politischem Denken steht die Befragung gesellschaftlicher Verhältnisse. Für westliche Gegenwartsgesellschaften konstatiert Rebentisch eine Zunahme flexibler Arbeitsverhältnisse sowie eine gesteigerte Bedeutung immaterieller Formen der Arbeit. 

Rebentisch greift den Begriff des “Neuen Geistes des Kapitalismus” (Boltanski/Chiapello) auf und fragt, inwiefern die Freiheit jedes einzelnen Individuums auch unter solchen Bedingungen Bestand hat, in denen Individualität einem ökonomischen Verwertungsdruck ausgesetzt ist. 

In ihrem Gastvortrag “Politik und Theater nach Hannah Arendt” nahm Rebentisch diese Beobachtung zum Ausgangspunkt und thematisierte die Anforderungen an Individuen, “Performer ihrer eigenen Subjektivität zu sein und immer neue Versionen ihrer selbst darzustellen.” Hier knüpfte Rebentisch an Hannah Arendts Gedanken an, dass Theater die politische Kunst par excellence darstellt. Die politische Dimension des Theaters zeigt sich ihrer Meinung nach nicht nur in Formen des Auftretens von Schauspielern, sondern auch in der Rhetorik jedes Individuums sowie dem allgegenwärtigen Erscheinen auf der Bühne der Öffentlichkeit. 

Ein Fest des Denkens

Am darauffolgenden Tag wurde die philosophische Befragung der Möglichkeit der Freiheit im Rahmen einer Masterclass fortgesetzt. Wie ist es auf der Bühne der Öffentlichkeit möglich, Freiheit nicht nur zu spielen, sondern als tatsächliche Autonomie zu realisieren? 

Die teilnehmenden Doktorandinnen und Doktoranden des Internationalen Doktorandenkollegs “MIMESIS” ” hatten sich zur Vorbereitung der Diskussion mit Juliane Rebentischs Habilitationsschrift “Die Kunst der Freiheit” (2011) auseinandergesetzt. Die mehrstündige Diskussion war von einer Verschlingung ethischer, politischer und ästhetischer Motive gekennzeichnet. Derart unterstrich die Veranstaltung die interdisziplinäre Ausrichtung des Internationalen Doktorandenkollegs MIMESIS sowie den Anspruch, auf höchstem wissenschaftlichem Niveau die “großen” Fragen zu stellen. 

Die Masterclass mit Juliane Rebentisch stellte ein wahres Fest des Denkens dar, in dem ausgehend von der Literatur und den Künsten Verbindungslinien zwischen der Welt des Geistes und den gesellschaftlichen Voraussetzungen, Freiheit zu denken, gezogen wurden. 

https://www.elitenetzwerk.bayern.de/doktorandenkollegs/aktuelles/news0/juliane-rebentisch-zu-gast-362/

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