Haus der Kunst

Den letzten Monat habe ich intensiv über das Haus der Kunst in München gearbeitet. Dabei habe ich versucht, vor dem Hintergrund meiner Recherchen über die Kammerspiele die sehr engagierte Kulturpolitikerin Sanne Kurz bei ihrer so wichtigen parlamentarischen Arbeit für Kunst und Kultur in Bayern zu unterstützen.

Die geplante Massenentlassung des Aufsichts- und Pförtnerpersonals (2/3 der Belegschaft, die zum größtenteil 11,84/h verdienen) ist eine Katastrophe für das Haus der Kunst, das sich in der schwersten Krise seiner jüngeren Geschichte befindet. Nun ist ein erster Bericht über diese Arbeit erschienen.

In ihrer Kolumne setzt die SZ Autorin Susanne Hermanski die Arbeit von Sanne Kurz und mir in Verbindung zu gegenwärtigen Formen des Protests im Kunst- und Kulturbereich. Ich vermute, sie spielt dabei u.a. auf die Demos von Wirsind Viele, Polizeiklasse, Unteilbar oder den breiten Widerstand gegen den “Druck von Rechts” an, über den die SZ zuletzt berichtete.

Hermanskis Kolumne ist “Das Haus der Kunst und andere Politiken” überschreiben und macht gleich mit dem Titel deutlich, dass es sich beim aktuellen Richtungsstreit Jonas/Piper vs. Immendorf/Lüpertz sowie den Kampf um die MitarbeiterInnen als freundliches und zeitgemäßes Gesicht des Troost-Baus an der Prinzregentenstraße um eine immanent politische Frage handelt. Wenn Hermanski nun stellvertretend für die SZ in München einen “neuen Wind des Protests” in der “Kunstszene” beobachtet, ist das einerseits ein gutes und andererseits ein schlechtes Zeichen.

Es ist bedauernswert, das zuletzt Unsagbares sagbar geworden und Selbstverständliches nicht mehr selbstverständlich ist. Das dieser Zustand jedoch nicht hingenommen wird und sich “Protest” z. B. in der Erstellung eines Thesenpapiers manifestiert, ist das ein gutes Zeichen. Offensiver formuliert könnte man auch von einer Rückkehr der Kulturpolitik sprechen.

Gerade der Abschluss der Kolumne ist mehr als amüsant. So wird die Bemühung des Kunstministers Siblers für das Haus der Kunst (die sich u.a. durch ein Grußwort und an die Presse versandte Vorschusslorbeeren für die kommende Lüpertz Ausstellung auszeichnet) mit unserer Forderung nach konkreter Verantwortung für das geschichtsträchtige Haus sowie einer transparenten öffentlichen Debatte kontrastiert.

Darin bereits die Funken des Protests zu vermuten, scheint mir jedoch etwas übertrieben, schreibt Hermanski doch auch, dass es sich um tatsächliche Oppositionsarbeit handelt. Das Hermanski diese jedoch als Protest “framed” zeigt vorallem, dass sich der Diskurs über die Kunst politisiert.

Persönlich habe ich u.a. auch aus meinem nun bald zweijährigen Aufenthalt in München das Fazit gezogen, die Inhalte meines vergleichenden kunst- und gesellschaftswissenschaftlichen Studiums vom Kopf auf die Füße zu stellen. Mehr Materialismus wagen sozusagen. Einem CSU Minister derart in die Propagandaparade fahren zu können, ist in diesem Sinne konkreter Ausdruck wissenschaftlicher Arbeit und einer Ethik des Wissens, die im Raum der Öffentlichkeit eine durchaus attraktive und fröhliche Praxis der Erkenntnis formuliert.

Anders als Hermanski jedoch darzustellen versucht, brauchen all die “Glückseligen” keine Angst vor uns haben. Sie dürften im Zweifelsfall nur bessere Kunst in einem gut ausgestattetem Haus der Kunst zu sehen bekommen und letztlich noch glückseliger werden. 😉

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