Bismarck Rekontextualisieren

Die kritische Auseinandersetzung mit Denkmälern im öffentlichen Raum hat in den vergangenen Wochen neue Aktualität gewonnen, so auch in München Pasing, wo ein Reiterstandbild Otto von Bismarcks als Brunnenfigur auf dem Wensauerplatz steht.

Wenige Monate vor Ausbruch des 1. Weltkrieges enthüllten deutschnationale BürgerInnen in Pasing den Bismarckbrunnen, versehen mit der Inschrift „In trinitate robur“, in der Dreieinigkeit liegt die Kraft. Damit wurde auf die Gründung des deutschen Kaiserreiches unter Führung Preußens als Folge des Krieges mit Frankreich 1870/71 Bezug genommen. Anders als damals, kann die Figur Otto von Bismarcks heute jedoch nicht mehr so unkritisch betrachtet werden: auch die Verfolgung von SozialistInnen, KatholikInnen und der Beginn des deutschen Kolonialismus sind mit Bismarcks Namen eng verknüpft.

Bismarck Statue in Pasing. Foto Thomas WItzgall
Ein Reiterstandbild Otto von Bismarcks auf dem Wensauerplatz in München Pasing. Foto: Thomas Witzgall.

Als Jusos im Münchner Westen haben wir darauf mit einer Aktion am Samstag, 25. Juli 2020, aufmerksam gemacht und gefordert, das Denkmal in einen neuen Kontext zu stellen. „Denkmäler dienen der Erinnerung an historische Ereignisse, deren Bewertung sich mit der Zeit ändern kann“, so Onat Cibooglu, Sprecher der Pasinger Jusos im Regionalverband West. „Historische Personen und Ereignisse müssen in einer demokratischen Gesellschaft in einem demokratischen Bezug stehen“, so der 20-jährige Student der Wirtschaftswissenschaften an der LMU weiter.

Die Jusos fordern daher die KommunalpolitikerInnen im Bezirksausschuß Pasing-Obermenzing und im Münchner Stadtrat auf, sich mit der Figur Bismarcks kritisch auseinanderzusetzen und das Brunnendenkmal, z.B. durch eine erläuternde Tafel, eine per QR-Code abrufbare Audiodatei oder eine künstlerische Umgestaltung des Brunnenumfelds in einen neuen, erweiterten historischen Kontext zu stellen. Diese Auseinandersetzung soll in einem offenen Dialog mit den BürgerInnen stattfinden, zu dem die Jusos mit ihrer geplanten Aktion einladen. Mit einem Vorschlag konnten die Jusos bei ihrer Aktion dabei bereits aufwarten: sie kontrastierten die reaktionäre und kriegsverherrlichende Brunneninschrift der „Dreieinigkeit“ mit den drei sozialdemokratischen Grundwerten „Freiheit, Gleichheit und Solidarität“ und kamen mit #BlackLivesMatter Aktivistinnen ins Gespräch.

Unter dem Titel “Zeit zum Nachdenken” ist ein kurzer Bericht über unsere Aktion in der “Süddeutschen Zeitung” erschienen.

In einem Bericht der “Abendzeitung” ist im Rahmen eines Stadtspaziergangs auch über die aktuelle Debatte zum Bismarck-Denkmal am Wensauerplatz erschienen.

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